Weihnachten und Neujahr mal ganz anders

Jetzt sind wir schon fast zwei Wochen wieder zurück von unserem Weihnachtsabenteuer. Diese Zeit haben wir genutzt (und auch gebraucht) um all unsere Sachen zu waschen und ausreichend Schlaf nach zu holen.
Wir hatten eine tolle aber auch anstrengende Zeit auf Lady Musgrave Island und davon möchte ich Euch heute endlich berichten. Dazu habe ich den Bericht in Bereiche eingeteilt damit es etwas übersichtlicher bleibt. Also dann mal los.

Das Camp

Am 22. Dezember kamen wir nach unserer zweienhalbstündigen Überfahrt mit dem Schiff vor Lady Musgrave an. Da die Insel von Korallenriff umgeben ist gibt es keine Anlegestelle und keinen Hafen. So musste die ganze Ausrüstung auf ein kleineres Boot geladen werden aud der sonst Tagestouristen zur Insel gebracht werden.
Am Strand der Insel angekommen erwartet uns schon Jim uns seine Frau Anne. Alle halfen mit beim Ausladen. Und genau pünktlich dazu öffnete der Himmel seine Schleusen und es begann zu regnen. Unsere komplette Ausrüstung luden wir dann in Schubkarren oder auf unseren Rücken uns marschierten los durch den Inselwald zu unserem Campingplatz. Der Weg führte uns 500 Meter durch den Wald in dem tausende und abertausende Vögel zu dieser Jahreszeit brüteten und ihre Jungen aufzogen.
Nachdem wir gutgelaunt all unser Zeug da hatten wo wir wollten gab ein eine kurze Mittagspause im Gemeinschaftszelt. Dort hatten wir unsere Küche mit Gasherd, solar- und garbetriebener Kühlschrank und alle weitere Forschungsausrüstung.

Dann ging es ans Zelt aufbauen. Wie gut das wir schon vorher geübt haben und somit das ganze in relativ kurzer Zeit stand. Die meiste Zeit verbrachten wir damit, die Plane die unser Zelt und alles darunter schützen sollte, auf zu stellen.


Solarzellen


Auf einem Hinweisschild vor unserem Camp wurden immer die Neuesten Information über die vergangene Nacht notiert.


Das Gemeinschaftszelt

TAGGING

Die Arbeit mit den Tieren ist das Hauptziel, weshalb wir auf die Insel kamen. Schon vorab hatten wir mehrere Telefonate mit Jim der uns über die Arbeit und Vorgehensweise aufklärte.
Da Meeresschildkröten mit dem Hochwasser der Nacht an Land kommen, arbeiteten wir auch vorwiegend nachts. In der ersten Woche war Hochwasser um 20 Uhr was bedeutete das wir um 19 Uhr starteten und gegen Mitternacht fertig waren. Mit den Tagen verschob sich das Hochwasser immer mehr in den frühen Morgen so das wir die letzten Tage um Mitternacht aufstanden und bis 5 Uhr Morgens arbeiteten. Anschließend hieß es dann schnell ins Bett bevor die Sonne aufgeht um einige Stunden Schlaf zu bekommen.

Die Insel ist in mehrere Abschnitte rund herum eingeteilt um den jeweiligen Standort ein zu grenzen. Nicht überall auf der Insel ist es ideal für Schildkörten um an Land zu kommen. Hier und da versperren Felsen den Weg an den Strand oder grobes Geröll macht es schwer u graben.

Ruth-Ellen, Jim und ich waren in ein Team eingeteilt das für die Abschnitte 3, 4A und 4B verantwortlich waren. Die Abschnitte an denen die meisten Schildkröten an Land kommen. Penny, Jims Tocher und Max schauten nach dem Rest der Insel.

So ging es also im Mondlicht die 20 Meter runter zum Strand. Auf moderne LED Stirnlampen oder Taschenlampen wird bei dieser Arbeit ausdrücklich verzichtet da dies die Tiere stört und für eine Flucht vom Strand sorgen kann. Deshalb werden die guten alten Stirnlampen mit einer kleinen Birne verwendet die ein warmes, gelbes Licht ausstrahlt. Die Lampe wird aber nur ab eingeschalten wenn wir mit den Tieren arbeiteten. Wenn wir am Strand nach unserem nächsten Tier Ausschau hielten verwendeten wir meistens das Mondlicht und folgten den Spuren im Sand die einem viel über das Tier das sie gemacht hat verrieten.

Haben wir ein Tier entdeckt kommt es darauf an in welchem Status es sich gerade befindet. Nicht in jedem Status können wir dem Tier arbeiten.
Wenn eine Schildkröten and Land zur Eiablage kommt spielt sich das wie folgt ab:

1. Die Schildkröte erreicht den Strand. Am Wasserrand wartet sie einige Minuten und kontrolliert ob es Bewegungen am Strand gibt. Ist sie nicht zufrieden verschwindet die zurück ins Wasser und kommt vielleicht an einer anderen Stelle der Insel wieder an Land.

2. Ist sie zufrieden schleppt sie sich über den Strand hoch in die Dünen.

3. Hat sie einen Platz gefunden der ihr passt beginnt sie damit einen sogenannten „Body Pit“ (=Körperkuhle) auszugraben. Sie gräbt mit ihren vier Flossen eine Kuhle für Ihren kompletten Körper. Wenn sie damit fertig ist hat eine etwa 30cm tiefe Kuhle gegraben.

4. Hat sie ihren Body Pit fertig beginnt sie mit ihren Hinterflossen eine Kammer für Ihre Eier aus zu graben. Faszinierend mit welcher Präzision sie das macht wenn man bedenkt das sie diesen Vorgang mit ihren Augen überhaupt nicht sehen kann da die Hinterflossen vom Panzer verdeckt sind. So gräbt sie also ein etwa 40cm tiefes Loch das sie dann am Boden noch birnenfömig aushöhlt. Stößt sie dabei auf Korallen oder Baumwurzeln sucht sie sich einen anderen Platz und das Ganze beginnt von vorne.

5. Wenn sie mit der Tiefe und Form der Eikammer zufrieden ist beginnt sie damit etwa 125 Tischtennisball große Eier abzulegen. Diese fallen dann in die Kammer. Da Schildkröten Meeresreptilien sind haben die Eier eine weiche Hülle. Das sorgt dafür das dieses beim Aufprall nicht zerstört werden.

6. Wenn sie alle Eier abgelegt hat beginnt sie sofort damit die Kammer mit Sand zu füllen. auch hierzu verwendet sie nur ihre beiden Hinterflossen.

7. Ist die Kammer gefüllt beginnt sie damit die Körperkule mit Sand zu füllen. Dazu benutzt sie alle vier Flossen.

Diese ganz Prozedur kann bis zu drei Stunden bei Green Turtles (=Grüne Schildkröte) dauern. Pro Saison kann eine Schildkröte bis zu sieben Mal an Land kommen um Eier ab zu legen. das ganze passiert im 14-Tages Rythmus. Dafür kommen sie aber auch nur all 5-7 Jahre an Land.

Wir können nur mit den Schildkröten arbeiten sobald sie mit der Eiablage fertig sind.
Zuerst checken wir ob das Tier bereits eine Marke (=Tag) in einer der beiden Vorderflossen hat. Wenn nicht bekommt sie eine neue Marke. Dazu wird mittels einer Art Zange aus der Rinderindustrie eine Titanium-Marke an der Vorderflosse angebracht.

Des Weiteren wird der Panzer vermessen, Beschädigungen oder Verletzungen notiert und festgehalten in welchem Bereich der Insel die Schildkröte gefunden wurde.

Auch die Position des Nestes wird mittels drei Stöcken markiert und die genau Position des Nestes dann am nächsten Tag genau vermessen.

RODEO

Mein persönliches Highlight des Tages war das Schildkröten-Rodeo. Während des Niedrigwasser gingen Jim, Max und ich raus ins Riff um junge Schildkröten auf zu spüren die sich noch im knietiefen Niedrigwasser in Mitten der Korallen aufhielten. Sobald eine Schildkröte aufgespürt wurde, wurde sie vorsichtig in Richtung von einem von uns gelenkt. Irgendwie war meistens ich es in dessen Richtung die jungen Schildkröten schwammen. Und so war ich es der sich meistens auf die Schildkröten warf und sie irgendwie unter Wasser zu fassen versuchte und gleichzeitig versuchte nicht auf Korallen zu fallen. Hatte ich eine Schildkröte am Panzer oder an einer Flosse gepackt glich das ganze einem Rodeo im Wasser. Ich musste meine Hände in eine Poition bringen um das Tier schonen aus dem Wasser zu bekommen. Dabei musste ich versuchen mein Gesicht aus der Reichweite der um sich schlagenden Flossen fern zu halten. Flossenhiebe selbst von diesen jungen Schildkröten können sehr schmerzhaft sein.

Ist das Tier gefangen geht es mit ihr zurück übers Riff ins Camp wo sie vermessen wird und ebenfalls eine Marke bekommt. Damit kann sie also fast ihr ganzes Leben lang wissenschaftlich verfolgt und studiert werden. Diese Jungtiere wogen all zwischen 10 und 40 Kilogramm. Bei besonders großen Exemplaren mussten wir diese zu Zweit an Land tragen.

Sobald wir mit unserem Fang von den anderen Campern entdeckt wurden war in unserem Camp immer der Teufel los da alle die Tiere bestaunen, anfassen und fotografieren wollten. Fragen über Fragen die Jim alle sehr routiniert beantwortet.

Nach getaner Arbeit war es schön die Tiere wieder zurück ins Wasser zu bringen um sie weider in die Freiheit zu entlassen.

Nachwuchs

So mit das schönste was man auf Lady Musgrave Island zu dieser Jahreszeit sehen kann sind die frisch geschlüpften Schildkröten die sich auf dem Weg von ihrem Nest ins Wasser machen. Meistens schlüpfen diese Nachts wenn der Sand abkühlt und ihren signalisiert das es dunkel ist und somit auch weniger Fressfeinde auf sie lauern.

Wir hatten Glück und konnten die sogenannten Hatchlings bei Tag und auch bei Nacht bewundern.
Innerhalb von wenigen Minuten waren die kleinen im Wasser.
Die Chancen das eine davon wiederkommt stehen laut Forschungen 1:1000.

Sobald die Jungtiere das Wasser erreichen schwimmen sie so schnell sie können weg von der Insel und den ganzen Fressfeinden in den Ozean und werden dann mittels der Strömung einmal um die halbe Welt reisen bevor sie wieder an ihren Geburtsort zurückkehren.

Wildlife auf der Insel

Lady Musgrave Island ist nicht nur Heimat von Meeresschildkröten. Abertausende Vögel bringen hier in den warmen Sommermonaten ihre Jungen zur Welt. Es ist also immer ein konstanter Geräuschpegel auf der Insel – 24 Stunden rund um die Uhr. Daran gewöhnt man sich aber.

Das Korallenriff bietet Lebensraum viele Fischarten, Haie und Rochen. Touristen aus aller Welt kommen hier her um das Wunder des Great Barrier Riffs schnorchelnd, tauchend oder vom Boot aus zu erleben und zu erkunden.

Die Insel

Die Insel besteht komplett aus Korallen und ist in etwa 30 Minuten komplett umrundet. 40 Campern ist es erlaubt auf der Insel zu übernachten. Da die Insel zum Nationalpark erklärt ist benötigt man eine Erlaubnis um auf der Insel übernachtn zu können. Außer einem Toilettenhaus gibt es sonst nichts. Alles was man braucht muss man selbst mitbringen.

Wir haben unsere fast zweieinhalb Wochen auf der Insel sehr genossen. Auch denn die nächtliche Arbeit mit den Tieren anstrengend ist und man ständig Schlafentzug hat war es eine fantastische Erfahrung so hautnah bei diesem Anturspektakel dabei gewesen zu sein.